Ererbtes Kloßrezept

Sie benötigen für 10 muntere Klöße:

 

 

 

 

  • 2,5 kg geschälte Kartoffeln
  • 120 g Semmelwürfel
  • 50 g Butter
  • Salz
  • 1 Schwefelstange oder 1 Messerspitze "Kloßweiß"
  • Hingabe, Fingerspitzengefühl und Demut

 

 

1. Die geschälten rohen Kartoffeln werden traditionell in einem geschlossenen Behältnis geschwefelt. Seit vielen Jahren verwenden wir in unserer Familie "Kloßweiß" – das führt in Thüringen jeder einigermaßen sortierte Lebensmittelladen. Einfach die Gebrauchsanweisung lesen und Sie erhalten schlohweiße Prachtexemplare ohne Schwefelgeschmack. 

 

2. Zwei Drittel der rohen Kartoffeln werden gerieben. Die Zeiten, wo man die Kartoffeln mit der Hand reibt, sind eigentlich vorbei und nur die überzeugtesten Liebhaber Thüringer Klöße beharren darauf.

 

3. Anschließend wird dieser geriebene Kartoffelschab in einem Leinensäckchen so kräftig ausgepresst, dass er völlig trocken ist. Wir Thüringer konstruierten dafür die Kartoffelpresse, eine einfach geniale Erfindung, die es wert ist, genannt zu werden, wenn man die wichtigsten Erfindungen der Menschheit auflistet. Bis zu seiner Verwendung lässt man den Schab übrigens in der Presse, damit er überhaupt keine Möglichkeit hat, sich zu färben. Das Kartoffelwasser fängt man auf.

4. Mittlerweile wird das dritte Drittel Kartoffeln völlig weich gekocht und anschließend mit einem Metallstampfer (viele benutzen dazu auch noch den aus der oberen Verästelung eines Weihnachtsbaumes geschnittenen für Thüringen typischen Kloß-Quirl) zu dünnem Kartoffelbrei verrührt.

 

5. Jetzt den gepressten Schab in eine große Schüssel geben, Salz hinzufügen und das aufgefangene Kartoffelwasser abgießen. Die auf dem Boden abgesetzte Kartoffelstärke vollständig mit dem Schab vermengen.

 

6. Die Schüssel ganz nah an den siedenden Kartoffelbrei stellen und ein feuchtes Tuch darunter legen, damit sie nicht verrutschen kann. Jetzt die Hälfte des kochenden Breies auf den Schab schütten und die Masse sofort mit einem Stampfer oder Quirl verrühren. An dieser Stelle entscheiden Sie, ob ihre Klöße fest oder locker werden. Je dünner der Kartoffelbrei, desto lockerer wird der Kloß. Aber noch einmal: Nie mehr Kartoffelbrei verwenden, als ein Drittel der Kartoffeln es zulässt. Bei diesem Arbeitsgang ist es ratsam, dass eine zweite Person die Schüssel festhält. Das Mindeste jedoch ist ein feuchtes Tuch, was unter die Schüssel geschoben wird. Die Kartoffelkloßmasse wird so lange geschlagen und verrührt, bis sich kleine Spitzen bilden und sie sich vom Schüsselrand löst.

 

7. Sofort beginnen, die Klöße zu formen, indem Sie vorher ihre Hände in eiskaltes Wasser getaucht haben. Die Klöße sollten faustgroß sein – mein Freund Achim sagt „mindestens Körbchengröße 75 D“ – und werden mit in Butter gerösteten Semmelbröseln gefüllt.

 

8. Anschließend werden die Klöße in kochendes, reichlich gesalzenes Wasser gelegt, das danach nur noch vor sich hin simmern darf – keinesfalls mehr brodeln.

 

Nach zirka zehn Minuten steigen die Klöße im Topf empor und erblicken das Licht der Welt.

 

Gutes Gelingen und guten Appetit wünscht Ihnen

Ihr Matthias Kaiser